NS-Zwangsarbeit in der Region Waldeck – Projekt in Kooperation mit den Arolsen Archives

Ein Teil der Q1 hat die Projektwoche 2021 in den Arolsen Archives verbracht und berichtet:

Projektwochentag 1: Montag, 26.10.2021

Am Montag, den 26.10.2021, hat unsere Projektwoche bei den Arolsen Archives begonnen. Mit Rücksicht auf die Pandemie wurde unsere Projektgruppe aufgeteilt; jede Teilgruppe arbeitete zwei Zeitstunden in den Arolsen Archives, die übrige Zeit wurde im Home-Office gearbeitet. Wir beschäftigten uns mit Zwangsarbeit in der Nazizeit und deren Spuren in den Archiven der Arolsen Archives. Um 08:00 Uhr trafen wir uns mit Gruppe eins an der Schule in der Cafeteria und machten unseren negativen Corona-Test; danach sind wir gemeinsam zu den Arolsen Archives in der Schlossstraße gelaufen. Die zwei freundlichen Mitarbeiterinnen stellten sich vor und erklärten uns, was die Arolsen Archives sind, woran sie arbeiten und was wir in den nächsten Tagen gemeinsam machen würden. Nach dem interessanten Vortrag schauten wir uns in der Pause die Ausstellung an, haben uns anschließend nochmal besprochen und bekamen eine kleine Hausaufgabe für den nächsten Tag. Um 10:30 Uhr waren wir mit dem Programm fertig, dann kam Gruppe zwei. (Jonas Henze/ Niklas Nebel)

Projektwochentag 2: Dienstag, 26.10.21

Am zweiten Tag der Projektwoche haben wir uns als erstes mit den Gestapo-Dokumenten vom Vortag beschäftigt. Wir haben in Gruppen Plakate, mit den Pflichten, Verboten und Rechten erstellt, die wir den Dokumenten entnehmen konnten. Nach der Arbeitsphase ha ben wir im Plenum die Plakate vorgestellt. Im zweiten Teil des Tages haben wir uns mit verschiedenen Akten der Zwangsarbeiter beschäftigt. Es handelte sich hierbei um Arbeiter, die in unserer Region untergebracht wurden. Wir verbrachten einige Zeit damit, die Dokumente zu analysieren und konnten so Informationen sammeln. Wir haben für Zuhause weitere Namen von Arbeitern bekommen, deren Daten wir im Onlinearchiv der Arolsen Archives recherchieren sollten. Am Ende des Tages haben wir den Ablauf für unseren Besuch im der Gedenkstätte Breitenau, während des Krieges Arbeitserziehungslager, besprochen. (Sophie Papendieck/ Madita Riße)

Projektwochentag 3: Mittwoch, 27.01.2021: Exkursion zur Gedenkstätte Breitenau

Im Rahmen der Projektwoche 2021, die in Zusammenarbeit mit den Arolsen Archives stattfinden durfte und sich um das Thema „NS – Zwangsarbeit in der Region Waldeck“ drehte, begab sich der Leistungskurs Geschichte auf eine Exkursion zur Gedenkstätte Breitenau, die nicht weit entfernt von Guxhagen liegt. Begleitet wurden wir dabei von Herrn Ritscher und Frau Marterer, sowie den Mitarbeiterinnen der Arolsen Archives Elisabeth Schwabauer und Margit Vogt, die uns während der ganzen Woche begleitet, angeleitet und bei all unseren Fragen unterstützt haben.
Nach ungefähr einer Stunde Anreise mit dem Bus und einem kurzen Fußweg über das Gelände der Gedenkstätte, bei der uns sofort die hohen Mauern ins Auge fielen, wurden wir herzlich von René Mallm, einem in Kassel tätigen Gymnasiallehrer, begrüßt, der zuständig für unsere Führung war. Einen ersten Überblick über die Geschichte Breitenaus bekamen wir in einer ehemaligen Zehntscheune des 15. Jahrhunderts, die aber mittlerweile zur Gedenkstätte Breitenau gehört. Den Beginn der Geschichte bildet ein im Jahre 1113 gegründetes Benediktinerkloster. Nach mehrmaligen Umgestaltungen durch Landgraf Philipp und später Landgraf Moritz wurde aus dem Gebäude 1874 ein preußisches Arbeitshaus, beziehungsweise eine sogenannte Korrektionsanstalt, in der erstmalig eine doppelte Nutzung des ehemaligen Klosters eingeführt wurde: So bot das Mittelschiff Raum für die Zellen der Insassen des Arbeitshauses, während der Rest des Gebäudes den gewöhnlichen Gottesdiensten vorbehalten war. Diese Aufteilung wurde auch übernommen, als die Einrichtung eines frühen Konzentrationslagers im Jahr 1933 vorgenommen wurde. Bestand hatte dieses lediglich bis 1934, dennoch waren in dieser Zeitspanne insgesamt 470 von Nationalsozialisten verfolgte Menschen inhaftiert worden, von denen ein Teil in andere Konzentrationslager überwiesen wurde.
Trotz der Auflösung des KZs blieb weiterhin eine sogenannte Landesarbeitsanstalt bestehen, die 1938 vornehmlich der Inhaftierung von Juden aus der Umgebung und 1939 der der „Schutzgefangenen“ diente. Anders als in Konzentrationslagern war die Haft im 1940 gegründeten Arbeitserziehungslager zeitlich begrenzt, sodass die Möglichkeit bestand, nach gewisser Zeit entlassen zu werden; jedoch kam es bei einem großen Teil der Inhaftierten wiederholt zu Überstellungen in andere Konzentrationslager.
Bei der Besichtigung des zweigeteilten ehemaligen Klostergebäudes ließ Herr Mallm uns über die Gründe nachdenken, die dazu geführt haben könnten, dass Gottesdienstbesucher die Gefangenschaft der Inhaftierten hinter der dünnen Mauer, die die Zellen vom Raum für die Gemeinde trennte, oder derer, die am Gottesdienst teilhaben durften, ohne jegliche Widerworte duldeten. Als Möglichkeiten hielten wir zum einen die Angst der Besucher, selbst zu den Inhaftierten zu gehören oder anderweitig von den Nationalsozialisten bestraft zu werden, und die der tatsächlichen eigenen Überzeugung von nationalsozialistischen Gedanken fest.
Anschließend wurde uns Einblick auf den Innenhof gewährt, der damals durch eine Mauer geteilt war, um Männer und Frauen strikt voneinander zu separieren. Die unvorstellbaren Anstrengungen und Qualen, die die Inhaftierten tagtäglich zusätzlich zu der harten körperlichen Zwangsarbeit erleiden mussten, wurden uns an Beispielen wie dem regungslosen Stehen in der eisigen Kälte oder psychischem Terror durch langwierige Andeutungen eines Genickschusses, der letztendlich doch nicht vollzogen wurde, erläutert. Auch dass Häftlinge nach einer kalten Dusche, die ihnen trotz schwerster Arbeit meist nur einmal pro Woche gewährt wurde, ohne Kleidung im Winter über den Hof in ihre Zelle gescheucht wurden, löste ein allgemeines Gefühl der Fassungslosigkeit aus, zumal selbst wir in unserer privilegierten Kleidung mit moderner Winterjacke und warmem Schal fröstelten. Vertieft wurde der Schreck bei allen durch die Besichtigung der Duschen und der Zellen, die wir in Sechsergruppen mit Herrn Mallm betreten konnten. Obwohl die Pritschen, auf denen die Gefangenen schliefen, die aber selten für alle ausreichten, nicht mehr vorhanden waren, war auch mit unserer Anzahl an Leuten nicht gerade viel Platz in der Zelle, sodass man einen groben Eindruck bekam, wie eng es mit den vorgesehenen 15 Personen pro Zelle erst sein musste. Das Einzige, was bis auf den kalten Boden und die Halterungen der Hochbetten zu sehen war, war eine nicht sehr einladend aussehende Toilette ohne Begrenzung und ein kleines vergittertes Fenster mit Klappen, die dem Zweck dienten, die Gefangenen in Dunkelhaft zu versetzen, sie also tagelang in völliger Dunkelheit einzusperren. Um dabei einen groben Überblick über die Anzahl der Tage, die die Dunkelhaft andauerte, zu behalten, ritzten die Inhaftierten Striche in die Wand, wobei das Abendessen meist als Orientierung galt.
Kurz vor der Befreiung der Gefangenen durch die Amerikaner kam es zu einem Massaker, bei dem 28 Arbeiter in einem nahe gelegenen Waldstück per Genickschuss ermordet wurden.
Bis zur Gründung der Gedenkstätte diente das Anwesen noch anderen Zwecken, wie einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche oder für Mädchen.
Nach einer kurzen Pause, die wir wieder im Innern der Gedenkstätte verbrachten, bekamen wir die Möglichkeit, uns Akten von ehemaligen Gefangenen anzuschauen. An den zahlreichen Stempeln ließ sich erkennen, dass eine solche Akte meist durch viele Hände ging, wodurch die betreffende Person in einen regelrechten Verfolgungsapparat geriet, dem man kaum entfliehen konnte, da teilweise aus Akten nicht einmal mehr hervorging, aus welchem Grund die Person in ein Konzentrationslager überwiesen worden ist, sie aber dennoch einfach abgearbeitet und überstellt wurde. Dies zeugt von persönlicher Distanz, wie auch die Häftlingsnummern, sodass keine emotionale Beziehung zwischen Verfolgten und Verfolgern entstehen sollte. Gegen zwölf Uhr machten wir uns wieder auf den Heimweg, noch immer betroffen von dem Erlebten, und trafen um kurz vor eins wieder an der CRS ein.
Abschließend lässt sich sagen, dass sich der Besuch in der Gedenkstätte Breitenau auf alle Fälle gelohnt hat, da uns ein sehr eindrücklicher Einblick in die Umstände von Zwangsarbeitern gewährt und auf informative und anschauliche Art und Weise erklärt wurde. Wir bedanken uns daher nochmals bei Herrn Ritscher und Frau Marterer, Frau Schwabauer und Frau Vogt und René Mallm für diese lehrreiche und gelungene Exkursion. (Carolin Zaloga, Josefine Krug, Katrin Jäger)

Projektwochentag 4: Donnerstag, 28.10.2021/ Freitag, 29.10.2021


Heute verlief der Tag in den Arolsen Archives wie bereits am Montag und Dienstag. Zuerst haben wir die Hausaufgabe von Dienstag besprochen, in der es um das Thema: „Zwangsarbeit im Nationalismus –auch im Raum Waldeck/ Korbach/ Arolsen“ ging. Anschließend trafen sich die drei Gruppen einzeln und besprachen, wie sie die morgige Präsentation ihres Themas in der Schule vorstellen wollen. Danach ging dann die individuelle Arbeitsphase los, in der man auch mit Hilfsmitteln wie dem Online-Archive der Arolsen Archives, Dokumenten und Karten arbeiten konnte. Um 12:50 Uhr sind noch mal alle zusammengekommen und es gab eine kleine Feedbackrunde, die unter der Frage stand wie wir die Projektwoche fanden. Um 13 Uhr war nun das Ende des Projekttages, an dem man viel geschafft hat, erreicht und alle haben den Heimweg angetreten. Am Freitag schließlich stellten alle Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vor. (Anna Fiedler / Laura Witte)