Liebe Schülerinnen und Schüler,
sehr geehrte Eltern und Erziehungsberechtigte,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
bevor wir in die Herbstferien gehen, möchte ich einen Vorfall aufgreifen, der uns in den vergangenen Tagen beschäftigt hat und über den ich die gesamte Schulgemeinde informieren möchte.
Am vergangenen Freitag, dem 25. September, wurden auf TikTok Beiträge bekannt, in denen die Schulleitung und einzelne Kolleginnen und Kollegen mit künstlicher Intelligenz / Bildbearbeitungssoftware veränderte Bilder herabgewürdigt und ins Lächerliche gezogen wurden. Die Bilder stammten offenbar von unserer Homepage beziehungsweise aus der Fotogalerie der Schule.
Nach Rücksprache mit der Polizei habe ich Strafanzeige erstattet und Strafantrag gestellt. Die Beiträge wurden als Beweismaterial gesichert. Den betroffenen Kolleginnen und Kollegen steht es selbstverständlich offen, ebenfalls rechtliche Schritte einzuleiten. Anfang dieser Woche ergaben sich Hinweise darauf, dass die Urheberschaft in den unteren Jahrgangsstufen unserer Schule liegen könnte.
Nachdem ich in einer Klasse über die Folgen solchen Handelns gesprochen hatte, wurde ein weiterer Beitrag veröffentlicht, der mich in einer künstlich erzeugten Darstellung in Handschellen zeigte. Inzwischen sind die Beiträge entfernt und der Kanal geschlossen. Die Strafanzeige und der Strafantrag bleiben bestehen; die weitere Aufklärung liegt bei den Ermittlungsbehörden.
Besonders bedenklich finde ich, dass die Videos unter anderem in Klassenchats der Jahrgangs-stufen 6 und 8 weitergeleitet und auf TikTok von Schülerinnen und Schülern unter ihren Klarnamen kommentiert wurden. Gerade in diesen Jahrgangsstufen nimmt unsere Präventionsarbeit einen wichtigen Platz ein. Umso mehr müssen wir darüber sprechen, weshalb die dort vermittelten Grundsätze hier offenbar nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Dabei ist mir eine Differenzierung wichtig: Es gab Schülerinnen und Schüler, die der Weiterverbreitung ausdrücklich widersprochen haben. Auch Eltern haben sich dafür eingesetzt, dass die Beiträge nicht weitergeteilt werden. Dafür danke ich Ihnen und euch. Ebenso müssen wir die Rolle der stillen Zuschauerschaft nachbesprechen. Wer solche Beiträge wahrnimmt, kann Unterstützung holen und eine erwachsene Vertrauensperson informieren.
Zur rechtlichen Einordnung: Solche Veröffentlichungen können als Beleidigung, üble Nachrede oder Verleumdung strafbar sein. Auch Weiterleitungen und eigene Kommentare können rechtliche Folgen haben. Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig; pädagogische und schulische Konsequenzen sowie mögliche zivilrechtliche Ansprüche bleiben dennoch bestehen. Eltern haften nicht automatisch für ihre Kinder, können aber bei einer Verletzung ihrer Aufsichtspflicht zivilrechtlich verantwortlich werden. Im Zuge der Ermittlungen kann die Polizei betroffene Familien kontaktieren.
Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte, bitte nehmen Sie diesen Vorfall zum Anlass, mit Ihren Kindern über deren Verhalten in sozialen Medien und Klassenchats zu sprechen. Schauen Sie gegebenenfalls gemeinsam auf die Inhalte und Einstellungen der Mobiltelefone. TikTok sieht grundsätzlich ein Mindestalter von 13 Jahren vor. Wird dieses unterschritten oder ist ein verantwortungsvoller Umgang derzeit nicht gewährleistet, sollten Sie die Nutzung beenden und gegebenenfalls Konto und App löschen. Beweismittel sollten erhalten bleiben, aber nicht weiterverbreitet werden. Im Zweifelsfall kann man mithilfe einer Selbstanzeige der weiteren Strafverfolgung vor-beugen.
Wir werden die Vorfälle nach den Ferien pädagogisch aufarbeiten – ausdrücklich auch die Kommentare unter Klarnamen und die Weiterleitungen. Schule und Elternhaus sind hier gemeinsam gefragt. Ein respektvoller Umgang und die Achtung der Persönlichkeitsrechte müssen auch im digitalen Raum selbstverständlich sein.
Vielen Dank für Ihre und eure Unterstützung. Ich wünsche der gesamten Schulgemeinde schöne und erholsame Herbstferien und freue mich auf ein gesundes Wiedersehen.
Mit freundlichen Grüßen
Markus Wagener
Schulleiter
