Quelle: wlz-online vom 15.11.2019

 

Herausragende Werke als Anregung für künftige Schüler

Bad Arolsen – Sechs herausragende Schülerarbeiten der Klasse 8d an der Bad Arolser Christian-Rauch-Schule übergab ihr Lehrer Erich Müller mit Direktor Markus Wagener an die Bibliothek des Waldeckischen Geschichtsvereins.

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Bei der Übergabe der Arolser Schülerarbeiten an die Bibliothek des Waldeckischen Geschichtsvereins – von links: die Vizevorsitzende Britta Hain, CRS-Schulleiter Markus Wagener, Lehrer Erich Müller, Bibliotheksleiter Philipp Wilhelm Emde sowie die Schüler Lilith Israel, Lana Krummel, Antonia von der Emde, Cora-Celine Gutschank, Johannes Riebeling und Philipp Grummann.
 
 

Was geschah am 5. Januar 1735 beim Stadtbrand in Rhoden? Welche Bedeutung hatte Bildung im 18. Jahrhundert? Welche Auswirkungen hatte der Siebenjährige Krieg auf Waldeck? 

Mit solchen Fragestellungen aus der Epoche des Barock haben sich Gymnasiasten des achten Jahrgangs von Februar bis Juni beschäftigt. Das Ergebnis ihrer Forschungen ist ab sofort beim Geschichtsverein einsehbar:

  • Philipp Grummann schrieb über Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges auf Nordwaldeck.
  • Lilith Israel beschrieb französische Lustschlösser und Barockgärten am Beispiel der Kasseler Karlsaue und der Organgerie.
  • Cora-Celine Gutschank erforschte auch im Stadtarchiv ihrer Heimatstadt den Rhoder Stadtbrand vom 5. Januar 1735. 
  • Lana Krummel ging auf die Bedeutung der Bildung im 18. Jahrhundert ein.
  • Antonia von der Emde widmete sich dem Buchdruck in Mengeringhausen und der Bedeutung des Buches im frühen 18. Iahrhundert. 
  • Johannes Riebeling schrieb über das barocke Residenzschloss in Arolsen.

„Lernen und Projekt“

Schon vor langer Zeit sei an der Schule beschlossen worden, den Unterricht in der Mittelstufe fächerübergreifend zu gestalten, erläutert Markus Wagener. In der achten Klasse steht für die Schüler deshalb  „Lernen und Projekt“ auf dem Stundenplan, abgekürzt „LuP“. Es ist an das Fach Geschichte gebundenen. Die Schüler sollen üben, eigenständig zu recherchieren, und eine Hausarbeit im Umfang von etwa drei Seiten plus Literaturverzeichnis und Anhang schreiben. Die müssen sie außerdem bei einer kurzen Präsentation vorstellen. 

Lokalgeschichtliche Anknüpfung

Dazu wählen sie sich ein Thema aus dem Zeitalter des Absolutismus und des Barock, das von etwa 1670 bis 1770 dauerte. „Der Fokus hatte entweder auf einem allgemeingeschichtlichen Thema mit lokalhistorischer Anknüpfung, oder auf einem lokalgeschichtlichen Thema mit allgemeinhistorischer Anknüpfung zu liegen“, erläutert der Geschichtslehrer Müller. Lokal bedeute die Grafschaft oder das Fürstentum Waldeck-Pyrmont, die nördliche Landgrafschaft Hessen-Kassel sowie die angrenzenden westfälischen Gebiete.

Beim Geschichtsverein recherchiert

Die Bibliothek des Geschichtsvereins im Dachgeschoss des „Schreiberschen Hauses“ haben die Schüler für ihre Recherchen oft genutzt. Auch die Mediothek der Schule stand ihnen offen: Statt aus Schulbüchern oder aus „Wikipedia“ etwas zusammenzustellen, sollten die Schüler selbst auf die Suche nach Büchern und Aufsätzen in Fachzeitschriften gehen. Und da gibt es beim Geschichtsverein eine Fülle an Material. 

Bibliotheksleiter Philipp Wilhelm Emde stand den Schülern mit Rat und Tat zur Seite – er hat sein Abitur an der Christian-Rauch-Schule abgelegt. Müller würdigte das große ehrenamtliche Engagement Emdes. Er hatte auch die Idee, die besten Hausarbeiten in die Bibliothek aufzunehmen. 

Herausragende Arbeiten übergeben

Müller wählte sechs mit „sehr gut“ und „gut“ bewertete Arbeiten aus. Sie seien „etwas besonderes“, betonte er. Der Pädagoge lobte auch die Eltern, die ihre Kinder „mit zum Teil hohem Energieaufwand“ unterstützt hätten – „eine wunderbare Sache.“ 

„Ausgetretene Pfade verlassen"

Er sei „tief beeindruckt“ von den vielfältigen und „zum Teil wegweisenden“ Arbeiten, sagte Schulleiter Markus Wagener. „Das habt ihr großartig gemacht.“ Die Schüler hätten „ausgetretene Pfade verlassen und ganz allein geforscht“. Dazu hätten sie Anleitung und Inspiration gebraucht. 

Die hätten sie in ihrem Lehrer Erich Müller gefunden, der gern Herzblut für die Regionalgeschichte vergieße. Er habe die Schüler „angezündet“ – was auch wichtig sei: „Wir wollen das Feuer des Wissens weitergeben.“ 

Emde habe die Schüler in der Bibliothek angeleitet: „Wo finde ich was?“ Der Ertrag sei groß. Das Schulkonzept sei aufgegangen – deshalb solle es diesen Projektunterricht auch 2020 geben. 

"Eine super Leistung"

Mit ihren eigenständigen Recherchen hätten die Schüler etwas für ihr Leben gelernt, betonte die stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins, Britta Hein. „Ihr habt euch außerhalb des Internets etwas selbst erarbeitet, das bleibt hängen, das ist eine super Leistung.“ 

Als Dank überreichte sie den sechs Gymnasiasten eine Broschüre, die ein Leistungskurs der Alten Landesschule in Korbach über „neue soziale Bewegungen“ im Kreis zusammengestellt hat. Sie regte die Arolser an, die Arbeiten ebenfalls zu publizieren. 

„Ich bin froh, dass ich die Arbeiten in unsere Sammlung aufnehmen kann“, sagte Emde. Er habe die Schüler ein halbes Jahr lang regelmäßig gesehen und mit ihnen die Themen besprochen. „Umso interessanter ist es zu sehen, was daraus geworden ist.“ 

"Gute Zusammenarbeit von Schule und Verein“

„Die Schriften dokumentieren nicht nur die gute Zusammenarbeit von Schule und Verein“, sagte Müller. „Sie stellen auch wertvolle Ergänzungen der Bestände der Vereinsbibliothek dar und haben es verdient, der Nachwelt erhalten zu bleiben.“ Und nicht zuletzt sollen sie folgenden Schülergenerationen als Beispiel oder Anregung dienen. (-sg-)