Schüler wollen mehr Lehrer (WLZ: 23.07.2015)

Mit einem Protestzug durch die Innenstadt haben Christian-Rauch-Schüler gegen eine Reduzierung der Stellenzuweisung an hessischen Schulen protestiert.

Bad Arolsen. Trillerpfeifen, Warnwesten und Plakate: mit dem, was gestern wie ein zweiter Abiumzug wirkte, machten mehrere hundert Gymnasiasten ihrer Unzufriedenheit Luft. „ Wir wollen ein starkes Signal in Richtung Wiesbaden senden“, erklärten die CRS-Schulsprecher Bahadir Batan und Joran Sager bei der von der Schülervertretung angestoßenen Protestaktion.

Weniger Kurse in Oberstufe

Der Hintergrund: Hessenweit sollen im kommenden Jahr 300 Lehrerstellen an Grundschulen und in der gymnasialen Oberstufe eingespart werden. Für die Christian-Rauch-Schule heißt das im Klartext, dass im kommenden Schuljahr eine halbe Lehrerstelle wegfällt.
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Insbesondere für den Oberstufen-Unterricht befürchtet die Schülervertretung nun Nachteile wie größere Kursgrößen oder Kurse, die gar nicht mehr zustande kommen. „Im Moment läuft´s noch gut, aber im nächsten Jahr wird das auf jeden Fall zu spüren sein“, unterstrich Bahadir Batan. Setze das hessische Kultusministerium den eingeschlagenen Kurs fort, werde das zu Lasten der Schüler gehen, ist der Schulsprecher überzeugt.

Pakt für den Nachmittag

Verstärkung erhielten die Gymnasiasten von mehreren SPD-Kreistagsmitgliedern sowie von Juso-Kreisvorsitzender Katharina Kappelhoff, die sich auf der Rednertribüne den Forderungen der Schüler anschloss. Auch der stellvertretende Landesschulsprecher Arnusch Aras, der staubedingt mit Verspätung eintraf, unterstützte die Forderungen der Christian-Rauch-Schüler. Diese fordern eine bessere Bildung in Hessen durch den Ausbau der Stellenzuweisung und einen verpflichtend dreistündigen Unterricht in den Oberstufen-Grundkursen. Auch solle kein Bildungsbereich gegen einen anderen ausgespielt werden. Damit bezieht sich die Schülervertretung auf die Förderung von Inklusion und den Pakt für den Nachmittag, mit dem das Kultusministerium die Reduzierung der Stellenzuweisung an Grundschulen und Gymnasien begründet.Die Leitung der Christian-Rauch-Schule steht hinter der Protestaktion kurz vor den Sommerferien. Mit den von den Schulsprechern angesprochenen Problemen sieht sich Rektorin Cornelie Seedig bereits bei der Erstellung der Lehrpläne konfrontiert. Nicht zuletzt aus diesem Grund findet es die Schulleiterin „gut, dass die Schüler zu ihren Ansichten stehen“.

Die Schülervertretung habe die Aktion ganz allein auf die Beine gestellt und in allen Klassen an die Schüler appelliert, den Protest ernst zu nehmen. Das sei auch ein Stück weit „gelernte Demokratie“.


(WLZ: 23.07.15)

(Wlz: 25.07.2015)

 

Liebes Schlossgespenst, 

im Namen der Schülervertretung der CRS sowie all jener, die an unserer Demo „gegen die Stellenreduzierung an hessischen Schulen“ teilgenommen haben möchten wir zu deiner Glosse Stellung nehmen. Es freut uns als Schülervertretung, dass über dieses Thema nun endlich berichtet wird. Zwar einseitig und ohne tiefgründiges Wissen, aber jeder Bericht ist ja besser als keiner. Eins möchte ich klarstellen, wir fordern nicht mehr Lehrer sondern sind gegen die Streichungen von Lehrerstellen.

Wie viele Lehrerstellen es in Hessen gibt, ist nicht der entscheidende Punkt: Mit Verbesserung von Integration und Inklusion entstehen zur Zeit neue Aufgabenfelder, für die zusätzliche Lehrkräfte benötigt werden. Deshalb ist eigentlich eine Erhöhung, keine Streichung von Lehrerstellen angeraten. 

Wenn wir vor einen Karren gespannt wurden, dann vor den des Selbstschutzes: Die Idee zu unserer Protestaktion entstand, als deutlich wurde wie sich der geplante Erlass bereits in diesem Schuljahr auf unsere Schule auswirkt. So stand etwa mein Ethiklehrer vor den Sommerferien vor der Wahl, unseren Kurs entweder mit einem anderen Jahrgang gemeinsam zu unterrichten oder aber den Unterricht von drei auf zwei Wochenstunden zu kürzen und dies bei den gleichen Abituranforderungen wie vor dem Erlass. 

In der Stellungnahme von Herr Schwarz zu unserer Protestaktion heißt es, dass die Kurse lediglich um 1,6 Schüler im Landesschnitt steigen. Der Entscheidende Punkt sind allerdings die Kursgrößen (ziel 22 Schüler pro Kurs) und ab welcher Kursgröße ein Kurs gebildet wird. Im Sinne einer vielseitigen und breitgefächerten Ausbildung sollte die Schülerschaft eine große Auswahlmöglichkeit haben. Gerade die naturwissenschaftlichen Fächer werden nicht so stark nachgefragt wie die der Geisteswissenschaften. Was tun, wenn sich jetzt lediglich 16 Schüler für eine Physikkurs begeistern lassen? Soll dieser Kurs dann etwa nicht angeboten werden? Nein, wir fordern dieses breite Angebot. Die Stellenreduzierung könnte dazu führen, dass ein andere Kurs diesen Unterhang auffangen muss. Somit würde ein Unterhang von sechs Schülern, einen anderen Kurs um diese sechs Schüler, auf 28 erhöhen. 

Wir danken für die angeregte Diskussion und die Veröffentlichung unserer Stellungnahme. 

Mit freundlichen Grüßen

Die Schülervertretung der Christian-Rauch-Schule